Das ABC der PR-Arbeit

I. Wie kommen wir mit unserem evangelistischen Projekt in die Medien?

 

1. Was interessiert die Öffentlichkeit?


Die Zeitung interessiert sich für Neuigkeiten und Besonderheiten. Tageszeitungen und Wochenblätter wollen das wissen und weitergeben, was die Neugier der Öffentlichkeit befriedigt. Fragen wir uns selbst: Was finden wir interessant? Nicht die Massen unfallfrei rollender Autos sondern der Massenunfall ist die Nachricht.

„Ein Hund beißt einen Mann.“… ist keine Nachricht.
„Ein Mann beißt einen Hund.“… hingegen ist eine Nachricht.

Vereinfacht dargestellt, aber sachlich auf den Punkt getroffen! Nicht alles, was geschieht, hat Nachrichtenwert. Eine Nachricht ist die Mitteilung über einen besonderen allgemein interessanten und aktuellen Sachverhalt. Diese Mitteilungen müssen dann gut geordnet und formuliert gezielt weitergegeben werden.

Es geht um verständliche Informationen über Tatsachen und Ereignisse, die für Leser und Hörer neu, wichtig bzw. interessant sind.

Was ist neu? Das sind die Neuigkeiten, die so noch keiner serviert hat. Diese Informationen haben höchsten Nachrichtenwert: Nachricht – NEWS. Das sind auch neu ausgesprochene altbekannte Informationen, weil sie neu in die Zeit passen oder von einer bestimmten Person neu gesagt werden. Das können durchaus bekannte Informationen sein, die im Zusammenhang eines Ereignisses neu zum Tragen kommen oder anders und damit neu klingen.

Was ist wichtig?

  • Informationen, die das Leben der Menschen betreffen und verändern.
  • Nachrichten im Sinne der ursprünglichen Bedeutung: „Herolden“  Benachrichtigung der Bürger einer Stadt oder eines Landes.
  • Informationen, auf die sich die Leser und Hörer einstellen müssen.
  • Dies können auch Hintergrund-Informationen sein, die Fakten und Analysen präsentieren bzw. Zusammenhänge und Auswirkungen darstellen.

Was ist interessant?

  • Allgemein interessierende Informationen, die eine vorhandene Neugier der Leute bedienen.
  • Informationen, die Kuriositäten, Leute und Geschichten servieren.
  • Spezielle Informationen, die im wahrsten Sinne ein Interesse von Zielgruppen voraussetzen: JESUSHOUSE – eine Aktion mit Jugendlichen für Jugendliche.

Neu – wichtig – interessant
Neuigkeiten und Wichtigkeiten so aufarbeiten und präsentieren, dass sie zugleich interessant sind.

 

2. Wie entsteht eine Presse-Meldung?


Beim Blick in die Zeitung sollen die Mitmenschen interessante Informationen erhalten. Deshalb geben wir der Stadtzeitung bzw. dem Regionalblatt unsere Pressemitteilungen.

Dabei ist zu beachten: Die sechs W
Jeder journalistische Text muss überschaubar Antwort auf die sechs W-Fragen geben. Wir beantworten in der Meldung folgende Fragen:

  • Was ist oder wird geschehen?
  • Wann war das oder wird es sein?
  • Wo fand bzw. wo findet das Ereignis statt?
  • Wer war dabei oder wird kommen?
  • Wie ist das Geschehen abgelaufen bzw. wie soll es werden?
  • Warum wird eine Veranstaltung oder Aktion durchgeführt?

Kurz und treffend formuliert, einseitig per Schreibmaschine oder Drucker auf weißes Papier A4 gebracht, mit einem Absender versehen und rechtzeitig abgeschickt, gibt es gute Chancen zum Abdruck. Solche Presse-Mitteilungen sind in der Veröffentlichung kostenlos. Kostenpflichtig sind nur Anzeigen! Beides ist möglich. Es ist möglich, vorab auf Veranstaltungen hinzuweisen und natürlich nachher zu berichten, was war. Darüber hinaus ist zu prüfen, wen wollen wir überhaupt erreichen?
Eine Meldung folgt nicht dem zeitlichen Ablauf, sondern einem formalen Aufbau. Kurz gesagt: „Wir fallen mit der Tür ins Haus.“

Das Wichtigste kommt an den Anfang und steht oben!
Die erste drei Sätze bringen Antwort auf die W-Fragen.
Die Einzelheiten folgen und verbreitern die Meldung unten.

 

Tipps für die Praxis:

  • Informationen personalisieren und zitieren (Zitat mit zitierter Person abstimmen!)
  • Daten und Fakten präsentieren
  • Hintergrund/Zusammenhang erläutern
  • Abschluss: Prägnante Zusammenfassung (ggf. wieder mit Zitat)
  • Überschrift formulieren (treffend, informativ, evtl. witzig oder originell)

 

3. Wie entsteht der Kontakt zur Presse?


Mit Mühe und Einsatz ist eine Pressemeldung zu Papier gebracht worden, wie geht es weiter? Die Meldung muss verschickt werden. Deshalb sollte schon vorher eine Presse-Liste erstellt werden. Dort werden die Adressen der Tageszeitungen, Wochenblätter, regionaler Hörfunksender und TV-Stationen notiert. Hilfreich ist es, zu telefonieren und nach einem konkreten Ansprechpartner zu fragen: Welche Redaktion ist für uns zuständig?
Namen, Direktwahl-Telefonnummer und Email-Adresse aufschreiben. In dem Zusammenhang fragen, ob die Meldungen per Fax und/oder per Email gesandt werden sollen. Wie sollen Fotos geliefert werden?

Jugendmagazine und Schülerzeitungen nicht vergessen, Jugendsendungen im Hörfunk und Kulturblätter kontaktieren, CDs oder Freikarten für Jugendkonzerte verlosen lassen.

Zu überlegen ist, ob im Vorfeld der evangelistischen Veranstaltung die zuständige Redaktion besucht werden kann. Einfach fragen und dann hingehen. Ein Gespräch von 15 Minuten schafft einen direkten Draht und bringt Vertrauen. Wenn man sich kennt, läuft es oft leichter.

 

II. Wie organisieren wir Öffentlichkeitsarbeit?


Damit die Arbeit gut laufen kann, werden Verantwortliche gebraucht, die am besten im Team die Öffentlichkeitsarbeit aufbauen. Diese Leute sind direkter Kontaktpartner für die Medien. Falls Telefongespräche und Faxkontakte während der Arbeit laufen, bitte vorher mit der Chef-Etage klären. Es ist natürlich von Vorteil, wenn Ansprechpartner im Presseteam tagsüber erreichbar sind.

 

1. Zeitplan festlegen


Die Wochen und Monate vor der evangelistischen Aktion müssen für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden, keine Frage. So kann die Veranstaltung weit im Vorfeld ein Medienthema werden. Wir berichten über den Stand der Vorbereitungen, bringen Porträts der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und können Zeugnisse gelebten Christseins vorstellen.

Aktualität ist im Nachrichtenbereich der Top-Faktor. Aktueller Anlass – das bedeutet:

Tages-Aktualität: Die Geschichte geschah gestern, das Ereignis passierte heute. Etwas früher Geschehenes ist gestern oder heute bekannt geworden. Die Tatsachen und Ereignisse von „vorgestern“ erhalten jetzt eine neue Wendung oder Bedeutung.

Selbstgeschaffene Aktualität: Eine wichtige Tatsache, die geschickt und interessant verpackt jetzt neu präsentiert wird. Im Zusammenhang mit einem eigens geplanten und durchgeführten Ereignis werden Informationen vermittelt.

Tipp für die Praxis: Wir planen Interviews und Aktionen, schaffen Ereignisse, über die wir öffentlichkeitswirksam berichten können, z.B. ein Jugendkonzert, sozialer Einsatz, Markt-Aktion, christliche Kino-Nacht und anderes.

 

2. Pressemappe erstellen


Eine solche Mappe enthält neben den jeweils aktuellen Presse-Meldungen auch Hintergrundberichte und Kurzvorstellungen des Mitarbeiterteams vor Ort. Die Presse interessiert sich für Zahlen und Fakten, auch für Kosten und Finanzquellen.

 

3. Pressegespräch


Ein Pressegespräch bietet die Möglichkeit mit Journalisten direkt ins Gespräch zu  kommen. Es empfiehlt sich die Zeit nicht vor 10 Uhr und nicht nach 15 Uhr. Das Pressegespräch ist ein wirksames Mittel, um Hintergründe zu erklären. Journalisten sind dankbar dafür, wenn sie bei wichtigen Themen die Gelegenheit zu Rückfragen haben.

  • 10-12 Tage vorher schriftliche Einladung an die Redaktion mit Rückmeldebogen und Erwähnung teilnehmender Personen und einer Pressemitteilung
  • 2-4 Tage vorher „nachhaken“: Wer wird kommen? Anwesenheitsliste vorbereiten und auslegen.
  • Lichten Raum, Podium stellen und Personen mit Schild betiteln; Infotisch stellen und für einen optisch und werblich guten Hintergrund sorgen (Pressefotos)
  • Getränke und kleines Speisenangebot vorbereiten. Wer freundlich empfangen wird, kommt gern wieder.
  • Pressemappe vorlegen

 

4. Anzeigen schalten


Pressearbeit mit Meldungen und Berichten kostet oft Mühe und verlangt viel Einsatz, kostenpflichtig ist der Abdruck nicht. Wir haben jedoch nicht die Garantie, dass alles so in die Zeitung kommt. Anders ist es mit Anzeigen. Sie kommen garantiert, kosten aber Geld.

 

5. Hörfunk und TV-Stationen


Neben den Zeitungen gewinnen der regionale Hörfunk und das Bürger-Fernsehen an Bedeutung. Das Stichwort „Pressearbeit“ zielt nicht nur auf Zeitungen! Auch bei Funk und Fernsehen entstehen Kontakte über Pressemeldungen, Pressemappen und direkten Telefonkontakt.

 

6. Internet


Auf diese Möglichkeit sollte keiner verzichten. Vielleicht können zu der Veranstaltung sogar eine eigene Seite gestaltet und Links geschaltet werden.

(Quelle: Konzeptheft JesusHouse2004, ProChrist e.V.)

 

Werbung für das Evangelium?

Das Wort „werben” kommt vom althochdeutschen „hwerban” und bedeutet ursprünglich: Sich um jemanden bemühen, drehen, verändern, die Verhältnisse wandeln. Werbung ist also der Versuch, Unwissen in Wissen zu verwandeln, Gleichgültigkeit in Aufmerksamkeit und Betroffenheit.

Aufgaben und Ziele der Werbung sind es:


1. Bekanntheitsgrad schaffen
2. Image aufbauen
3. Image korrigieren
4. Neue (Verbrauchs-) Gewohnheiten schaffen
5. Vorurteile abbauen
6. Neue Zielgruppen gewinnen

Glaubwürdig ist Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für Produkte mit nachweisbarem Nutzen für den Verbraucher. Nutzen ist natürlich nicht nur der vordergründige Produktvorteil, z.B. Arbeitserleichterung, sondern auch die daraus resultierende Quintessenz, z.B. Lebensqualität.

Die Initialzündung erfolgreicher Werbung ist die Aufmerksamkeit.

Werbung für das Evangelium


Ist es denn richtig, wenn Christen sich mit ihrer Werbung für das Evangelium zwischen Zigaretten, Waschpulver, Bier und andere Dinge schieben? Ganz wörtlich gibt uns Gottes Wort darauf keine Antwort. Wohl aber im übertragenen Sinn, denn Evangelisation ist eine öffentliche Angelegenheit. Jesus wies seine Jünger an: „…predigt auf den Dächern” (Matth. 10,27), anders übersetzt: „ruft aus auf den Dächern” – also in aller Öffentlichkeit! Denn zur Zeit Jesu spielte sich ein großer Teil des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens auf den Flachdächern der Häuser ab.

Gott wirbt um uns. Warum sollten wir dann nicht für ihn werben?
Evangelistische Veranstaltungen jeder Art sollten zum Tages- und Stadtgespräch werden! Nur wer den Öffentlichkeitscharakter der Evangelisation bejaht, wird die „Schallmauer” der Kirchen- und Gemeindegruppen durchbrechen.

Dabei ist es wichtig, alles dazuzutun, dass die Gute Nachricht auch als gute Nachricht bei den Menschen ankommt!

Das Aufhängen von Plakaten und das Verteilen von Einladungen ist Bekanntgabe, Information – aber noch keine Einladung. Die beste Werbung ist immer noch die persönliche Einladung.

Bei der Werbung wollen wir nicht nur die „kirchlich” eingestellten Menschen berücksichtigen, sondern vor allem diejenigen, die mit Gott und Kirche „nichts am Hut” haben.

  • Wo und wie informieren sie sich?
  • Welche Medien werden von ihnen genutzt?
  • Wie kann ihre Aufmerksamkeit geweckt werden?

Wenn es gelingt, die Aufmerksamkeit einer Person zu gewinnen, besteht die Aussicht, Aufmerksamkeit auch bei hundert oder tausend Personen zu finden.

(Quelle: Konzeptheft JesusHouse2004, ProChrist e.V.)